Stellungnahme des Dachverbandes der Jugendwohlfahrt

Sparen an der Zukunft der Kinder?

Die angekündigten Einsparungen bei den Kindern und Jugendlichen heute bedeuten später Belastungen von Zig-Millionen Euro: Von einer Rettung des Sozial-Systems kann hier keine Rede sein! Im Gegenteil: wir machen Schulden auf Kosten unserer Kinder!

In der gestrigen Pressekonferenz von Landeshauptmannstellvertreter Schrittwieser wurden massive Einschnitte im Bereich Jugendwohlfahrt angekündigt: So soll – unter anderem – die Dienstleistung „Sozial- und Lernbetreuung“ gänzlich gestrichen werden. Davon sind mehr als 1500 Kinder und etwa 500 MitarbeiterInnen betroffen. Rund 200.000 Betreuungsstunden pro Jahr für gefährdete Kinder wird es nicht mehr geben. Betreuungsstunden, die ihre Zukunftschancen erhöhen würden. Betreuungsstunden, die sich laut wissenschaftlicher Studien mehrfach auszahlen würden. Jeder eingesetzte Euro in der Jugendwohlfahrt bringt gesamtwirtschaftlich das Dreifache! „Wir halten ein Sparen bei ´unserer Zukunft´ – nämlich den Kindern – für beschämend und sowohl aus fachlicher wie finanzieller Sicht für kurzsichtig“ sagt Dr. Walter Perl, Vorsitzender des Dachverbandes Steirischer Jugendwohlfahrtsträger.

Einsparungen im Jugendwohlfahrtsbereich schmälern nicht nur die Chancen der Kinder, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten – bei fehlender Unterstützung von Kindern fallen später wesentlich höhere Kosten in den Bereichen Gesundheit, Arbeitsmarkt und Justiz an, wie viele Studien zum „Social Return of Investment“ bestätigen.

Je früher Maßnahmen eingesetzt werden umso höher sind die Erfolgschancen.

Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass die Versäumnisse in der Kindheit in der Pubertät in destruktiver Weise in Erscheinung treten. Einsparungen in der Prävention können später bedeuten: Schul- und Leistungsverweigerung, Gewalttätigkeit, Drogenkonsum, psychische Erkrankungen, Essstörungen, mangelnde Selbstkontrolle, Neigung zu Kriminalität, Realitätsflucht. Die Kosten für die Reparatur zahlt die Allgemeinheit – später!

Sozial- und Lernbetreuung wird von den Jugendämtern der Bezirkshauptmannschaften als kostengünstige und niederschwellige präventive Maßnahme in Familien eingesetzt. Gerade diese mobilen Hilfen wurden seitens des Landes Steiermark in den letzten Jahren forciert, um die Anzahl an stationären Unterbringungen zu reduzieren! Das vom Land Steiermark im Jugendwohlfahrtsplan formulierte Ziel „mobil vor stationär“ wird aber offensichtlich vom Land nicht ernst genommen.

Wie zynisch und kurzsichtig wird in diesem Land regiert?

Der Dachverband der steirischen Jugendwohlfahrtsträger fordert eine Rücknahme der angekündigten kinderfeindlichen Einsparungsmaßnahmen und eine fundierte, inhaltliche Auseinandersetzung über die Erfordernisse von gefährdeten Kindern und Jugendlichen.

Kontakt:

walter.perl@jaw.or.at (Vorsitzender des Dachverbandes der Steirischen Jugendwohlfahrtsträger)