Ein offener Brief an die Landesregierung

Sehr geehrte Landesregierung,

Wir befinden uns gerade in der letzten Phase unserer Ausbildung zum/zur diplomierten SozialbetreuerIn im Schwerpunkt Behindertenbegleitung. In den letzten Monaten haben uns der Verlauf und die Inkompetenz ihrer Politik sehr enttäuscht. Die mangelnde Empathie und ihre menschenverachtenden Entscheidungen stimmen uns sehr traurig und wir sind gewillt dagegen anzukämpfen.

Die Einsparungen, welche Sie anstreben, zeugen davon, dass Sie sich augenscheinlich nicht mit dem Bereich der Behindertenarbeit auseinandergesetzt haben und es gleichzeitig nicht für notwendig empfunden haben sich ernsthaft mit fachkundigen Personen auszutauschen. Durch ihre Entscheidungen provozieren Sie einen Zustand, welcher die Würde der Menschen mit Behinderung auf ein Minimum reduziert und vielen Menschen im Land die Arbeitsplätze raubt. Wir haben in der Steiermark bisher eine fortlaufende Entwicklung zum Besseren, was die Qualität der sozialen Arbeit betrifft, beobachten können. Dies lag nicht „nur“ an den Subventionen des Staates oder den vielen Millionen von Euro, welche Sie gütiger weise zur Verfügung gestellt haben, sondern vor allem an dem großen Engagement vieler in diesem Bereich beschäftigter Personen. Mit ihren Entscheidungen werfen Sie die Entwicklungen im Sozialbereich um fünfzig Jahre zurück. Sollen die Eckpfeiler unserer Arbeit, Selbstbestimmung, Empowerment, Integration und Normalisierung in Zukunft nur mehr Fremdwörter sein? Von Inklusion erst gar nicht zu sprechen! Schon durch die aktuelle Leistungsentgeltverordnung ist es für viele MitarbeiterInnen ein Drahtseilakt, dem eigenen qualitativen Anspruch an ihre Arbeit gerecht zu werden.
Ihnen ist anscheinend „satt, warm und sauber“ für Menschen mit Behinderung genug!
Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass Ihre Kürzungen Verstoße gegen das Behindertengesetz zur Folge haben? Oder können Sie uns erklären, wie Sie „leben wie andere auch“ und „mobil vor stationär“ mit diesem Budget durchführen wollen?

Wir Studierende des Ausbildungszentrums für Sozialberufe Wielandgasse sind junge Leute mit dem Willen sich für andere Menschen einzusetzen. Als wir unsere Ausbildung begonnen haben, war uns durchaus bewusst, dass wir einmal mit wenig Bezahlung und schwierigen Arbeitsbedingungen würden auskommen müssen. Nun da wir kurz vor dem Abschluss stehen wird uns vom Land die Möglichkeit geraubt, unsere Fähigkeiten auch adäquat einzusetzen. Mit den Bedingungen der neuen Leistungsentgeltverordnung stellt sich uns nun die Frage, inwiefern unsere Arbeit und unser Wissen überhaupt noch von Nöten sind.

Sehr geehrte Landesregierung, sie rauben vielen Menschen die Zukunft!