Stellungnahme der Österreichischen Vereinigung für Supervision (ÖVS)

„Reflexion statt Reduktion“

Stellungnahme zu den aktuellen Sparplänen des Landes Steiermark im Sozialbereich

Mit Besorgnis beobachten wir als Berufsvereinigung der österreichischen Supervisorinnen und Supervisoren die derzeitigen Pläne der steirischen Landesregierung, erhebliche Kürzungen im Sozialbereich vorzunehmen. Als professionelle BeraterInnen von MitarbeiterInnen und Führungskräften sozialer Einrichtungen bekommen wir einen Einblick in die Arbeitswirklichkeit von Organisationen und konnten bereits in den vergangenen Jahren eine Zunahme von prekären Arbeitsbedingungen beobachten.

Wie eine qualitative Befragung von SupervisorInnen in Deutschland (Haubl/Voß: Psychosoziale Kosten turbulenter Veränderungen) zeigt, nehmen Veränderungstempo und Arbeitsbelastung speziell in Non Profit Organisationen stetig zu, was die dort Beschäftigten zu überfordern droht und vermehrt zu psychophysischen Krankheiten wie Burnout, Depression etc. führt. Der ökonomische Druck im Sozialbereich hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und könnte sich angesichts der derzeitigen Sparpläne der steirischen Landesregierung unkontrolliert entladen.

Vielen Außenstehenden ist oft nicht bewusst, unter welchen Belastungen Leistungen von MitarbeiterInnen und Führungskräften in Sozialorganisationen erbracht werden und unter welch schwierigen Rahmenbedingungen häufig gearbeitet wird. Supervision und Coaching bieten dabei wichtige Unterstützung für die eigene Psychohygiene und sind wirksame und evaluierte Instrumente der Qualitätssicherung, um in der Reflexion des beruflichen Handelns Distanz einzunehmen, sich neu zu orientieren und wieder zielorientiert arbeiten zu können.

In den derzeitigen Plänen der steirischen Landesregierung drückt sich unseres Erachtens eine mangelnde gesellschaftspolitische Wertschätzung sowohl jenen gegenüber aus, die im Sozialbereich beschäftigt sind, als auch gegenüber den zahlreichen Menschen, die von diesen betreut werden. KlientInnen haben Anspruch auf Qualität und MitarbeiterInnen können diese nur auf Basis persönlicher Qualifikation und Lebenserfahrung unter geeigneten Rahmenbedingungen erbringen. Konkret anvisierte Maßnahmen des Landes Steiermark wie z.B. die Halbierung der mittelbaren Betreuungszeit, die u.a. auch Zeit für Supervision und Coaching bietet, gefährden aus unserer Sicht massiv die Qualität sozialer Arbeit und verschärfen die ohnehin bereits äußerst prekären Arbeitsbedingungen.

Nach dem Motto „Reflexion statt Reduktion“ fordern wir die politisch Verantwortlichen daher auf, sich gemeinsam mit den ExpertInnen aus den betroffenen Bereichen nochmals Gedanken über die Folgewirkungen der derzeit geplanten Maßnahmen zu machen und sich für eine differenzierte und nachhaltig abgesicherte Form der künftigen steirischen Sozialpolitik auszusprechen, die sowohl ethische als auch wirtschaftliche Überlegungen einbezieht. Verantwortungsvolles politisches Handeln bedeutet unseres Erachtens eine gute Balance zwischen Engagement und selbstkritischem Hinterfragen zu finden, um sich im eigenen Denken nicht einzuengen und Handlungsoptionen zu erkennen, die sich langfristig als die sinnvollsten erweisen. Als Berufsvereinigung weisen wir dabei auf die Möglichkeit hin, unser Know-how und die Unterstützung durch qualifizierte SupervisorInnen und Coaches zu nutzen.