Stellungnahme der Steiermärkischen Frühförderstellen

Steiermark „spart“ bei der Frühförderung ihrer Kinder

„Sparen“ an der Zukunft der Kinder – kann sich das ein reiches Land wie Österreich leisten?

Familien, deren Kind in seiner Entwicklung gefährdet, verzögert oder behindert ist, durchleben häufig eine krisenanfällige Lebensphase, die ohne fachspezifische Hilfe nur schwer zu bewältigen ist.

FrühförderInnen bieten in dieser Situation auf wissenschaftlich fundierter Basis gezielte Förderarbeit mit dem Kind an und unterstützen und beraten die gesamte Familie. Die Eltern werden stets in partnerschaftlicher Form aktiv mit einbezogen.

Das berufliche Tätigkeitsfeld der FrühförderInnen hat sich seit den 90er Jahren stark erweitert. Bildete damals die Arbeit mit behinderten Kindern den Schwerpunkt, sind mittlerweile immer mehr Familien von Armut, Arbeitslosigkeit, Migration oder Gewalt betroffen, immer mehr Kinder von Verzögerungen in ihrer Entwicklung bedroht. Immer öfter leisten FrühförderInnen hier qualifizierte Hilfe für Kind und Familie.

Im September 2009 konnten in der Steiermark insgesamt 1164 Kinder von einer Interdisziplinären Frühförderung und Familienbegleitung (IFF-FB) profitieren. Rund 10% dieser Kinder kamen aus anderen Ländern, die meisten aus der Türkei und Ägypten.

Was kann „Interdisziplinäre Frühförderung und Familienbegleitung” bewirken?

Die ersten Lebensjahre sind entscheidend. Je früher und gezielter qualifizierte Fördermaßnahmen gesetzt werden, desto größer sind die Entwicklungschancen. Frühförderung ist bereits ab dem Zeitpunkt der Geburt möglich.

Im Zentrum stehen in ganzheitlicher Weise die Förderung des kindlichen Verhaltensbereichs (emotionaler Bereich), die Förderung des Denkvermögens (intellektuell- rationaler Bereich), die Förderung des sozialen Lernens und der Gestaltung der Alltagshandlungen unter der Berücksichtigung von Wahrnehmung, Motorik und Sprache.

Jedes Kind soll für den Start ins Leben bestmögliche Bedingungen vorfinden. Das Kind, als Teil seiner Familie, kann sich vor allem dann optimal entwickeln, wenn das gesamte Familien-System die Kompetenz und die Bereitschaft hat, die vorhandenen Ressourcen bestmöglichst kennen zu lernen und zu nutzen.

Die FrühföderInnen stehen deshalb in ihrer Funktion als FamilienbegleiterInnen der Familie als GesprächspartnerInnen zur Verfügung. Für alle Fragen, die sich aufgrund der Situation des Kindes ergeben. Sie bieten fachliche Information, Beratung und Unterstützung bei der Klärung und Bewältigung alltäglicher Lebensprobleme. Ziel ist die Stärkung der Elternkompetenz durch Erziehungsbegleitung.

Die Auswirkungen bestehender Behinderungen können durch all diese Interventionen eingeschränkt und die Entstehung von Folgeschäden im psychischen oder sozialen Bereich vermieden werden.

Amerikanische und europäische Langzeitstudien belegen, dass es durch Frühförderprogramme zu erheblichen Folgeeinsparungen für die öffentliche Hand kommt. – ein investierter Dollar ermöglicht es Rückflüsse zwischen zwei und vier Dollar zu generieren! (Karolyn, Lynn An.; 2001)

Einsparungen in diesem Bereich sind daher nicht sinnvoll! – im Gegenteil: sie führen zu erheblichen Mehrkosten für die künftigen Generationen!

Die mittelbare Betreuungszeit wird durch das Sparbudget um 50 Prozent! Gekürzt. Dies bedeutet, dass Zeiten, die für die fachliche Arbeit und für die Gesamtorganisation notwendig sind, nicht mehr zur Verfügung stehen.

Es stellt sich die Frage, welche dieser wichtigen Aufgabenbereiche nun weggelassen werden können?  Diese Kürzungen haben massive Auswirkungen auf das Gesamtkonzept und die Gesamtqualität der Frühförderung und treffen letztlich das Kind und seine Familie!!

Österreich als eines der reichsten Länder der Welt, muss es sich leisten können, die Qualität der Arbeit im Frühförderbereich aufrecht zu erhalten – im Sinne der so häufig zitierten Zukunft unserer Kinder!

Die Frühförderstellen:

Alpha nova Betriebsgesmb.H.

Chance B sozialbetriebs GmbH

Humanistische Initiative

Jugend am Werk Steiermark GmbH. (Bruck a. Mur, Hartberg, Graz)

Kinderfreunde Steiermark

Lebenshilfe Steiermark Graz und Umgebung, Deutschlandsberg und Voitsberg

L.I.F.F.T.

MFZ-Steingruber OG

Odilieninstitut, Pädagogische Hausfrühförderung für sehbehinderte und blinde Kinder

P.F.I.F.F. Mit- und Füreinander

Sozial-und Heilpädagogisches Förderungsinstitut Steiermark

Verein Hilfe zur Selbsthilfe Judenburg

Verein Hilfe zur Selbsthilfe Knittelfeld

Verein für psychische und soziale Lebensberatung

VIDEF, Verein für Interdisziplinäre Entwicklungsförderung

VINCO