Stellungnahme von Christian, einem Betroffenen:

Mein Name ist Christian. Ich bin ein Mensch mit Behinderung. Zusammen mit einem Kollegen und zwei Studenten die sich um uns kümmern lebe ich in einer integrativen Wohngemeinschaft von alpha nova. Alpha nova ist eine der großen Einrichtungen die sich um Menschen mit Behinderung kümmern.

Ich arbeite in einer Werkstatt. Ich kümmere mich um die Bibliothek, ordne Bücher und Zeitschriften und rede mit den Leuten, die sich Bücher ausleihen.

Bis vergangenen Montag war mein Leben ganz normal. Ganz normale Sorgen: ” Mögen mich die Eltern meiner Freundin? Wird Sturm auswärts gegen Rapid gewinnen?” Ganz normale Wünsche: “Am Wochenende meine Freundin sehen, aufs Ostergeselchte freuen, nur mehr 52 Tage bis zum Urlaub, Sturm gewinnt” Und den Oberwunsch: “Mal mit meiner Freundin zusammenziehen.”

Am vergangenen Montag wurden die Einsparungen des Landes im Sozialbereich bekannt. Ich habe die Behinderungseinstufung hoch, bei den Einstufungen hoch und höchst gibt es die meisten Einsparungen.

Seither hab ich andere Sorgen: “Wer hilft mir in der Früh bei der Körperpflege, wenn das Land die Stunden für mobile Betreuung kürzt? Kann ich mich dann nur mehr jeden dritten Tag duschen? Verliere ich meinen Job? Nimmt die Werkstätte dann zwei Leute mit der Einstufung mittel? Und die größte Sorge, verliere ich meine Wohnung? Muss alpha nova die integrativen Wohngemeinschaften schließen weil sie sie sich nicht mehr leisten kann? Wo soll ich dann hingehen? Nachhause kann ich nicht, meine Eltern sind einfach mit meiner Pflege überfordert. In ein Pflegeheim? Oder gar in ein Auffanglager für Menschen mit Behinderung? Werden wir nach und nach abtransportiert, raus aus der Gesellschaft? Wohin???

Wir müssen ein Zeichen setzen!

Nach dem Motto: “Hier regiert die Menschlichkeit!”