Kuschelige Keplerbrücke

Vom 15. Oktober bis 15. November 2011 ist das Geländer der Keplerbrücke in Graz (teilweise) eingestrickt.

Als Statement
- Gegen die konkreten Kürzungen im Sozialbereich durch die Steirischen Landesregierung und das Einläuten von Dauersparpaketen als zukünftig drohende Reaktionsweise von Staatlichkeit.
- Für die Möglichkeit zur umfassenden gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle Menschen
- Gegen gesellschaftliche Strukturen, die Frauen wieder die alleinige Verantwortung für die Versorgungsarbeit (gratis oder zu schlechten Arbeitsbedingungen) zuschieben und gegen die ideologische Definierung von Bedarf an Unterstützung als Privatsache.

Die Keplerbrücke verbindet das linke und das rechte Murufer, die vielfältige, multikulturelle und proletarische Stadthälfte einerseits mit der anderen, wo die Organe der Staatlichkeit, das Geld und das Bürgertum zu Hause sind.
Eine Brücke über die Mur – Wasser fließt von oben nach unten. So sollten auch die Güter und Dienstleistungen verteilt werden, anstatt einer auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaft, die die Reichen immer reicher macht.
Harte und kalte Metallstäbe mit bunten gestrickten Bandagen umwickelt:
- Für soziale Wärme: Sicherheit und Geborgenheit entsteht durch Solidarität, nicht durch das Schüren von Konkurrenz und Feindbildern im Innen und Außen, die von einem Wohlfahrtsstaat weg letztlich zu einem militaristischen Sicherheits- und Kontrollstaat führen.
- Zur Sichtbarmachung, daß Sparpakete hauptsächlich Frauen treffen: Erziehungs- und Betreuungsarbeit wird wieder in die hauptsächliche Zuständigkeit des privaten, familiären Bereichs definiert. Prekäre Arbeitsbedingungen, niedrige Einkommen und noch niedrigere Pensionen, Einsparungen im Sozialbereich bedeuten den Abbau von Frauenarbeitsplätzen, während Hürden zu traditionell männlichen Arbeitsfeldern bestehen bleiben, Frauen sind wieder einmal die Reservearmee von Dazuverdienenden, die sich allen Konjunkturaggregatzuständen anpassen sollen.
- Als Protest dagegen, daß Frauen immer von patriarchalen Strukturen angerichtete Schäden abfedern, auffangen, reparieren, „bandagieren“ sollen.
- Das Private ist das Politische – Strickzeug in den öffentlichen Raum!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leni Kastl, Oktober 2011